Die Tollwut, auch Wutkrankheit oder Lyssa genannt, ist eine sporadisch oder epidemisch auftretende Erkrankung vor allem bei Hunden, aber auch bei anderen Warmblütern wie Pferden, Rindern, Schweinen, Katzen sowie bei Fuchs und Wolf. Der Erreger der Tollwut ist das auch auf den Mensch übertragbare Lyssa-Virus, das sich im Speichel des betroffenen Tieres befindet und durch Bisswunden, manchmal auch durch Lecken oder Berührung weitergeleitet werden kann. Von der Wunde aus dringt es über periphere Nerven in das zentrale Nervensystem vor und verursacht dort durch die Bildung sogenannter Negri-Körperchen die eigentliche Tollwut.
Bei einem tollwut-infizierten Menschen zeigen sich nach einer etwa zwei- bis achtwöchigen Inkubation erste Symptome: Schmerzen in der Bißnarbe, Kopfschmerzen, Unruhe, Fieber, dann - im Erregungsstadium - Krämpfe der Extremitäten- und Rumpf- sowie Atem- und Schlundmuskulatur, Speichelfluß bei qualvollem Durst ohne schlucken zu können (Wasserscheu), und Delirien. Auch Attacken rasender Wut, die sich in Schlagen, Kratzen oder Beißen äußern und gefährlich werden können, sind möglich. Nach wenigen - zumeist 3 bis 5 - Tagen tritt nach raschem Verfall der Tod durch Lähmung der Atemmuskeln ein, nachdem zuvor schon hauptsächlich Gesicht, Zunge und Speiseröhre vom Lähmungsstadium betroffen waren.
Eine Behandlung der Tollwut, die erst nach dem Erscheinen der frühen Symptome einsetzt, kommt meistens zu spät. Wichtigstes Element der Vorbeugung ist eine aktuelle Tollwutimpfung, die auch für Schwangere und Kleinkinder problemlos und nebenwirkungsfrei möglich ist und aus einer sechsmaligen intramuskulären Injektion besteht (am Tag der Verletzung selbst sowie am 3., 7., 14., 30. und 90. Tag danach). Zur Immunisierung dienen dabei inaktivierte Tollwut-Viren, die auf humanen Zellkulturen vermehrt wurden. Bei Verdacht auf eine Tollwutinfektion kann die Diagnose heute mit Hilfe fluoreszierender Antikörper innerhalb weniger Stunden gestellt werden, wobei sinnvollerweise zuvor schon festzustellen ist, ob das verdächtige Tier überhaupt mit Tollwut infiziert ist.
Durch Tollwut gefährdete Personen sind nicht nur Tierärzte oder im Forstwesen Beschäftigte, sondern auch Reisende: in asiatischen, südamerikanischen und afrikanischen Ländern ist ein sehr hoher Prozentsatz der Hunde Virusträger.