Windpocken werden als Spitze Blattern, Wilde Blattern oder Wasserpocken, aber auch vor allem in Österreich als Feucht- oder Schafblattern bezeichnet. Ausgelöst wird die Erkrankung durch Tröpfcheninfektion des Varizella-Zoster-Virus. Da die Viren eine hohe Ansteckungsfähigkeit haben und somit theoretisch auch über einige Meter in der Luft übertragen werden können, erhielt die Krankheit ihren Namen. Vorwiegend betreffen die Windpocken Kinder im Vorschulalter.
Bei den meisten Menschen, die sich infiziert haben, führt dies zu einer lebenslangen Immunität. Dies ist auch ein Grund, weshalb die Windpocken als Kinderkrankheit gilt. Sehr leicht erkennbare Symptome sind vor allem Fieber, sowie ein juckender Hautausschlag mit wasserklaren Bläschen. Komplikationen, die sich in Form von Kleinhirnentzündungen, Hirnentzündungen oder aber auch Lungenentzündung sowie bakteriellen Superinfektionen der Haut zeigen, können auftreten.
Die Windpocken werden meistens symptomatisch behandelt, da es sich um eine Virusinfektion handelt. Die Viren der Windpocken, also die Varizella-Viren, verbleiben nach dem Abklingen der Krankheitsanzeichen in den Hirnnerven- und Spinalganglien. Von da aus können sie in Form einer Gürtelrose mit dem Herpes-Zoster-Virus reaktiviert werden. Seit dem Jahr 2004 ist in Deutschland die Mehrfachimpfung gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken empfohlen. Diese stellt die Prophylaxe der vom Varizella-Zoster-Virus stammenden Erkrankung dar. Ebenfalls ist eine Passiv-Impfung möglich.
Vor 2004 waren die Windpocken bundesweit die häufigste Erkrankung. Die Erkrankungsfälle beliefen sich auf 750.000 im Kindesalter. Bei Jugendlichen bis 14 Jahren waren mehr als 90% infiziert. Die Gürtelrose mit dem Herpes-Zoster-Virus trat oftmals nach dem 40.Lebensjahr auf. Dies heißt jedoch nicht, das auch Kinder an diesem Virus erkranken können, etwa 1 von 1000 Kindern kann an diesem Virus erkranken. In den Jahreszeiten Winter und Frühling besteht eine Krankheitshäufigkeit.
Das Varizella-Zoster-Virus, kurz auch VZV, wird als Humanes Herpesvirus3 bezeichnet und ist der Erreger der Erkrankung Windpocken. Es ist ein behülltes, doppelsträngiges DNA-Virus, das zur Familie der Herpesviridae, hiervon zur Unterfamilie Alphaherpes und zur Gattung Varicellovirus gehört. Die Viren dieser Familie umschließen ihre DNA mit einem Kapsid, dem ikosaedrischen Kapsid. Dies ist eine Proteinhülle, die aus Dreiecksflächen besteht. Das Varizella-Zoster-Virus ist auf der gesamten Welt verbreitet und wird schon im Kindheitsalter übertragen.
Die Viren sind hoch ansteckend und werden teilweise im direkten Kontakt mit den Varizellen oder den Zosterbläschen bei der Gürtelrose übertragen. Das direkte Einatmen von Ausatmungströpfchen, also die Tröpfcheninfektion, von infizierten Personen ist schon 1 bis 2 Tage vor Ausbruch des Exanthems möglich. Die Varizella-Zoster-Viren können von der Luft übertragen werden, da die Erreger einige Meter weit „fliegen" können und sehr überlebensfähig sind. Es ist also auch bei nicht direktem Kontakt eine Ansteckung möglich. Durch Kleidung oder Spielsachen kann in der Regel keine Übertragung stattfinden. Hat der Kontakt zu einer erkrankten Person länger als 60 Minuten (bei gesunden Menschen) oder 10 Minuten bei abwehrgeschwächten Personen gedauert, ist eine Ansteckung anzunehmen.
Ansteckend sind die Windpocken schon 2 Tage vor dem Auftreten des Ausschlages auf der Haut und dies bleiben sie auch so lange, bis das letzte Bläschen verkrustet ist. Überholt ist die Meinung, dass die Ansteckungsgefahr bis zum Abfallen der letzten Kruste vorhanden ist. Personen, die an dem Varizella-Zoster-Virus erkrankt sind, sollten in dieser Zeit den Kontakt zu Menschen meiden, die an AIDS oder Krebs leiden, aber auch an Neurodermitis erkrankt sind oder mit Kortison behandelt werden.
Wichtig ist die Kontaktmeidung bei älteren Menschen oder auch Schwangeren zwischen der 8. und der 21. Schwangerschaftswoche. Eine Erkrankung an Windpocken der Mutter, zwischen 7 bis 3 Tage vor der Geburt, kann für sie tödlich verlaufen. Bei Neugeborenen besteht ein sogenannter Netzschutz bis zu 3 Monaten nach der Geburt, anschließend nimmt die Empfänglichkeit der Kinder zu und ab dem 6 Lebensmonat ist der Netzschutz gar nicht mehr vorhanden. Eine Impfung kann dann ab dem 9. Lebensmonat erfolgen.
Untersuchungen finden heutzutage an Mäusen mit schwerem Immundefekt statt. Diesen Mäusen wurden menschliche T-Zellen, Haut- und auch Nervengewebe transplantiert. Diese Untersuchungen ergaben, dass sich die Varizella-Zoster-Viren nach der ersten Replikation in den Rachen und über die Blutbahn in die Haut gelangen. Das Virus muss bisher unbekannte angeborene, sehr wirksame Abwehrmechanismen überwinden, somit wird auch die lange Zeit zwischen Infektion und Krankheitsausbruch erklärt.
Erste Anzeichen, wie zum Beispiel kurz anhaltendes Fieber, sowie Kopf- oder auch Gliederschmerzen können nach der Inkubationszeit von 10 bis 21 Tagen auftreten. Anschließend, meist über Nacht, bilden sich dann am Rumpf, im Gesicht, am behaarten Kopf juckende rote Flecken. Aus diesen Flecken entstehen später Knötchen. Daraus wiederum entsteht manchmal innerhalb von Stunden bis maximal Tagen reiskorngroße Bläschen.
Später treten diese Flecken bzw. Bläschen dann auch an den Gliedmaßen auf. Sehr selten kommen diese Bläschen an den Schleimhäuten des Mundes, der Nase, der Augen oder im Genitalbereich sowie am After vor. Bevor sich an den Bläschen eine hellbraune Kruste bildet, platzen diese auf. Dieses Platzen der Bläschen geschieht nicht zeitgleich. Daher wird auch oft von einem „Sternenhimmel" aufgrund der vielgestaltigen Ausprägung der Hauterscheinung gesprochen. Daraus ist auch Blickdiagnose möglich.
In den meisten Fällen dauern die Windpocken 3 bis 5 Tage an und verlaufen gutartig. Nachdem sich die Krusten gebildet haben, fallen diese ab, ohne Narben zu hinterlassen. Jedoch ist hierbei wichtig, dass das erkrankte Kind sich nicht an den Stellen kratzt. Normalerweise erkrankt ein Mensch in seinem Leben nur einmal an Windpocken. Daraus ergibt sich, dass jeder einmal erkrankte Mensch, nach der Abheilung dieser Erkrankung immun ist. Erkrankt ein Kind jedoch recht früh und auch nur leicht an dem Varizella-Zoster-Virus, konnten sich wahrscheinlich noch nicht genügend Antikörper bilden, dies kann dann dazu führen, dass die Krankheit nochmals durchgemacht werden muss.
Wird die Erkrankung erst im Erwachsenenalter als sogenannte „Ersterkrankung" durchgemacht, kann dies zu einem schwereren Krankheitsverlauf führen. Dies kommt aber aufgrund der hohen Durchseuchung eher selten vor. Komplikationen wie Meningoenzephalitis, Pneumonie und Hepatitis sind dann möglich. Bei Erwachsenen zeigen sich auch deutlich mehr Pocken als bei Kindern. Etwa eine Woche bis hin zu vier Wochen lang können immer wieder neue Pocken auftreten. Begleitend dazu kann Fieber bis zu über 40 Grad auftreten.
Die Windpocken verlaufen in den meisten Fällen im Kleinkind- und Kindesalter komplikationsfrei. Ein Krankenhausaufenthalt ist nur bei etwa 2,5 bis 7 von 100.000 Menschen nötig. Eine der häufigsten Komplikationen sind die bakteriellen Superinfektionen. Weitere Komplikationen können aber auch Entzündungen der Leber, Hirnhäute oder des Gehirns sein. Auch Gelenkbeschwerden oder aber auch Veränderungen der Blutgefässe können auftreten.
Einige Menschen, die an Windpocken erkrankten, erkranken im weiteren Leben mindestens einmal am Herpes-Zoster, der Gürtelrose. Als Ursache hierfür gelten die im Körper verbliebenen Varizella-Zoster-Viren. Diese wandern an den sensiblen Nervenfasern entlang und verbleiben dort. Ist das Immunsystem eines Menschen geschwächt, können diese Viren reaktiviert werden und eine Gürtelrose entsteht im Verbreitungsgebiet der betroffenen Nerven. Es ist möglich, dass Gürtelrosen-Patienten Windpocken auf Ungeschützte übertragen, jedoch stellt ein windpockenerkranktes Kind keine Infektionsquelle für die Gürtelrose dar.
Meistens werden die Windpocken nur symptomatisch behandelt, wie zum Beispiel Linderung des Juckreizes durch Kühlen. Bei Kindern können die Fingernägel geschnitten werden, damit sich das Kind nicht kratzen kann. Bei auftretendem Fieber kann Paracetamol oder auch Ibuprofen verabreicht werden.